In den ersten Monaten der Trauer zog es mich oft zu Theos Baum im Ruheforst. Dieser Ort wurde mein stiller Zufluchtsort, wenn mich die Sehnsucht zu überwältigen drohte. Ich fühlte mich oft allein, leer, innerlich ausgezehrt.
An einem späten Nachmittag saß ich wieder dort – an seinem Baum, den ich damals so bewusst ausgesucht hatte. Ich sprach leise, aber klar. „Theo, bitte… gib mir ein Zeichen.“
Ich hob den Blick, suchte zwischen den Bäumen. Vielleicht ein Reh, dachte ich. So wie damals, als ich auf der Suche nach „seinem“ Baum war – und plötzlich ein Reh vorbeihuschte. Ich hatte es damals als Zustimmung gedeutet, als stilles „Ja, das ist der richtige Platz.“
Doch diesmal kam nichts. Kein Reh. Kein Hase. Kein Vogel, kein Schmetterling. Nur das Rauschen der Bäume. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, weiter offen. Und dann…
Ein leises Zischen. Irritierend. Kein typisches Waldgeräusch. Dann wieder Stille. Und noch einmal dieses Zischen – nun näher. Ich lauschte, suchte den Ursprung.
Und plötzlich sah ich ihn: einen knallroten Heißluftballon, der über den Wald glitt.
Ich musste laut lachen. Da war ich, mit meiner naturverbundenen Seele, auf der Suche nach einem zarten, tierischen Zeichen – und Theo, der Pilot, der Flieger durch und durch, schickte mir einen Heißluftballon!
Ich sah zum Himmel und sagte: „Okay, mein Lieber. An unserer Kommunikationsform müssen wir vielleicht noch ein bisschen arbeiten.“ Aber in diesem Moment wusste ich: Es war ein Zeichen. Sein Zeichen.
Unverkennbar, liebevoll und typisch Theo.
Und ja – sie sind da, diese Zeichen. Vielleicht nicht immer so, wie wir sie erwarten. Aber sie finden ihren Weg. Besonders dann, wenn unser Herz bereit ist, sie zu sehen.
