Wenn Stärke zur Last wird

Nachdem mich die erste Karte – die Mäuse – erschüttert zurückgelassen hatte, weil sie mir zeigte, dass Theos Seele den Weg ins Licht nicht gehen konnte, blieb mir kaum Zeit, um meine Fassung wiederzufinden. Doch das Legen der Karten folgt seinem eigenen Rhythmus, und so griff ich mit klopfendem Herzen zur nächsten. Sie stand für den Übergangspfad – die Frage, wie Theos eigener Übergang verlaufen war.

Mit bebender Hand drehte ich sie um: die 15 – der Bär.
Im Lenormand symbolisiert er Kraft, Stärke und Autorität. Eigenschaften, die so gut zu Theo passten: innere Standhaftigkeit, ruhige Präsenz, souveräne Führung. Doch in dieser besonderen Legung mussten alle Deutungen unter dem Schatten seiner Blockade gelesen werden. Was sonst kraftvoll strahlt, kehrt sich ins Gegenteil.

Die Mäuse nagen am Bären“ – dieser Satz schoss mir sofort in den Kopf. Kräfte schwinden, Autorität löst sich auf, Selbstbestimmung geht verloren. Das Buch bestätigte meinen Gedanken: Erschöpfung, ein Gefühl, ohne die vertraute Energie des Lebens schutzlos und zurückgelassen zu sein – ausgeliefert.

Wieder war ich zurück in jenen bitteren Tagen. Theo, unfreiwillig ins künstliche Koma versetzt, seiner Selbstbestimmung beraubt. Das neue Chemopräparat, das trotz seiner Instabilität verabreicht wurde. Die tödliche Sepsis, die folgte. All das spiegelte sich in dieser Karte.
Der Prozess seines Übergangs war alles andere als leicht. Hilfe aus der geistigen Welt mag dagewesen sein – doch sie blieb für ihn unsichtbar – schier unerreichbar.

Als ich die Karte betrachtete, spürte ich erneut die tiefe Traurigkeit jener Stunden. Die Karten bestätigten, was mein Herz damals schon wusste: Theo war bis zuletzt seiner größten Stärke beraubt – somit verzweifelt. So viel Ungesagtes und noch Unerledigtes ließ er zurück.

Ich werde ihm seine innere Haltung und seine Werte wiedergeben. Eine große Aufgabe erwartet mich, deren Herausforderung ich mich gerne stelle – unterstützt und von unserer Liebe getragen.

3 Gedanken zu “Wenn Stärke zur Last wird

  1. Liebe Corinna, es fällt mir schwer, das Sternchen als Like zu setzen… Lieber hätte ich einen Button mit „ich verstehe“ gedrückt 😉
    Ich kann deine Zeilen 1:1 nachempfinden, da es bei meinem Mann im Juni diesen Jahres fast genauso abgelaufen ist.
    Beim lesen stimmt es mich unsagbar traurig, weil alles wieder so bewusst wird. Andererseits gibt es mir Mut zum weiterleben, da ich bemerke, dass ich mit meinen Gedanken und eigenen Erfahrungen nicht allein bin und dass es Menschen gibt, die ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Vielen lieben Dank, dass ich deine Zeilen lesen durfte.
    Herzliche Grüße
    Heike

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    1. Liebe Heike, ich danke dir für deine lieben Zeilen und drücke dir mein aufrichtiges Mitgefühl aus. Trauer und Verlust sind ein hartes Stück Arbeit und eine der schwersten Prüfungen, die uns das Leben stellt. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Umso mehr freut es mich, dir ein wenig Mut gemacht zu haben. Ich wünsche dir für deinen weiteren Weg alles erdenklich Gute.

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      1. Liebe Corinna,

        vielen lieben Dank für deine Antwort und dein Mitgefühl , bei denen ich jede Zeile, jedes Wort unterstreichen mag und dir in allen Punkten zustimmen. Du hast Recht! Trauer ist eines der belastendsten Gefühle, mit denen wir im Leben konfrontiert werden können.

        Je enger die Verbindung umso tiefer die Trauer danach. Die Zeit hilft ein wenig dabei, die Wunde zu versorgen. Doch sie wird nie abheilen. Wir werden nur mit der Zeit lernen, ein wenig anders damit umzugehen, damit zu leben. Aber auch nur das, wenn wir es zulassen. Ich wünsche dir auch von Herzen alles Gute bei deinem Weg.

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