Wenn die Sonne hinter Wolken steht

Nach dem Ring und seiner bittersüßen Botschaft — der Erinnerung daran, dass Zugehörigkeit und Annahme heilen könnten — blieb mir ein Bild im Kopf: wie sehr Theo an Dingen hing, die er zurücklassen musste. Ich dachte an sein geliebtes Haus, das die Erben schließlich verkauften; daran, wie ein alter Grundbucheintrag fast zwei Jahre später noch Widerstand leistete, obwohl alles längst erledigt schien. Solche Kleinigkeit, aber mit großer verzögender Auswirkung.

An einem Abend mit meiner Schwester sprachen wir darüber und erlebten ein kleines Wunder. Ich erzählte von einem merkwürdigen Radiosender, den ich Zuhause empfangen hatte — ohne Moderation, ohne Werbung — auf dem zu meiner Überraschung oft Theos Lieder liefen. Wir suchten vergeblich nach dem Sender, „Alexa“ blieb ratlos. In einem halb genervten Moment sagte ich: „Alexa, spiel Theos Musik.“ Und plötzlich spielte ein fremdes Lied, das ich nie zuvor kannte: To Build a Home. Text und Melodie legten sich wie Gänsehaut über uns — es ging um ein Haus, um ein Zuhause, um das Loslassen. Als würde Theo selbst zu uns sprechen. Zu unserem Erstaunen begann das Lied von vorn, passend zu Theo, der immer gern alles wiederholte, um Nachdruck in seinen Botschaften zu erzeugen. In jener Nacht sprach ich bewusst bei Kerzenschein zu ihm: „Lass das Haus los, mein Schatz. Die neuen Besitzer werden es ehren.“ Bald darauf bekam ich Nachricht, Handwerker, dann Umzugswagen, Leben kehrte zurück in das leere Haus — Zeichen, dass er vielleicht gehört hatte. Ich war mir sicher!

Mit all diesen Bildern und Fragen im Herzen legte ich die nächste Karte. Ich legte die Hand ans Herz, fragte still: Wie fühlt sich dein Licht jetzt?
Und zog die 31 – die Sonne.

Im Lenormand ist die Sonne das strahlende Herz: Sichtbarkeit, da sie alles erhellt, Wärme, Energie, Optimismus. Normalerweise eine Karte wie ein Goldlicht, die auch immer für das Gelingen von Vorhaben steht. In dieser Legung aber — unter dem Schatten der Blockade — verdunkelte sich die Deutung. Die Sonne schien, doch etwas hielt die Wärme ab: Kraftlosigkeit lag über dem Strahlen, Leere trübte die Wärme, Unruhe ersetzte den inneren Frieden. Theos Sonnenschein schien von Wolken verdeckt, sein Geist wie im Nebel verloren.

Ich sah es klar: Mein fröhlicher, kraftvoller Mann, dessen Energie sonst ansteckend war, steckte fest in Selbstvorwürfen und dem Gefühl, nichts mehr richtig geregelt zu haben. Seine Perfektion, die ihm so oft geholfen hatte, wurde nun zur Bremse. Er klammerte an dem, was nicht mehr zu halten war — und das raubte ihm die Leichtigkeit.

Mein Herz zog sich zusammen. Ich möchte ihm sein Strahlen zurückgeben, den Nebel vertreiben, ein Licht sein, an dem er sich wieder wärmen kann. Denn eines weiß ich: Dort, wo die Sonne scheint, kann Neues wachsen — wenn nur die Wolken ein wenig nachlassen.

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