Zwei Karten voller Licht und Klarheit lagen bereits vor mir, und mein Herz war ruhig geworden.
Doch die dritte Karte – sie sollte mir nun eine ganz einfache Frage beantworten:
Hat mein Ritual an Theos Geburtstag ihm geholfen?
Eine klassische Ja-/Nein-Frage.
Klar, einfach, dachte ich – doch das Universum liebt es bekanntlich, ein wenig mit uns zu spielen. Ich spürte das vertraute Kribbeln, und zog schließlich die Karte.
Nummer 7 – Die Schlange.
Ich seufzte. Ein kleines, ungläubiges Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Ausgerechnet die Schlange.
In der Lenormand-Welt steht sie oft für Umwege, Versuchungen, manchmal auch für Warnungen.
Und im alten Skat-System – das man ja gerne vergisst, wenn man nur noch die bunten Bilder sieht – trägt sie das Zeichen der Pik-Dame.
Nur wenige wissen, dass die Lenormandkarten einst auch Bezug fanden zum alten Skatblatt. Jede Karte trug eines der vier Symbole – Herz, Karo, Pik oder Kreuz – und diese Farben sind für mich bis heute ein Schlüssel zur klaren Antwort.
Rot (Herz, Karo) bedeutet Ja, Schwarz (Pik, Kreuz) steht für Nein. Praktisch und einfach.
Gerade bei meiner Frage an Theo wollte ich auf diese ursprüngliche Sprache vertrauen – schlicht, ehrlich, ohne Ausschmückung. Er liebte schließlich Struktur und klare Systeme. Vielleicht war es genau das, was unsere Verbindung in diesem Moment so echt machte – ein stilles Einverständnis zwischen den Welten.
Ein Nein also. Ich spürte, wie die kleine Zicke in mir kurz die Bühne betrat.
Wie bitte? Nein?
Ich hatte doch alles vorbereitet, das Ritual liebevoll gestaltet, an seinem Geburtstag, an seinem Baum, meine ganze Energie hineingegeben!
Aber dann musste ich lachen. Wie oft hatte Theo zu Lebzeiten mich mit einem Gesichtsausdruck angesehen – halb ernst, halb amüsiert, wenn ich mal wieder zu schnell zu viel wollte.
Vielleicht war dieses Nein gar kein Nein im menschlichen Sinne, sondern eher ein Augenzwinkern aus dem Jenseits. Eine kleine Erinnerung daran, dass Kommunikation mit der anderen Seite nicht bedeutet, zu diskutieren oder zu überzeugen. Es ist ein Lauschen, kein Drängen. Ein Fließen, kein Fordern.
Vielleicht war Theo längst vorbereitet gewesen, noch bevor ich mein Ritual vollendet hatte.
Vielleicht hatte er mir, während ich jedes Detail so sorgsam plante, bereits liebevoll über die Schulter gesehen und gedacht: „Schatz, du brauchst gar nichts mehr zu tun – ich bin schon da.“
Ich musste lachen. Theo, der alte Schelm. Er wusste genau, wie er mich aus der Reserve locken konnte – nur um mir im nächsten Atemzug ein warmes Gefühl von Nähe zu schenken.
Ich klopfte mit meinem Finger auf die Karte, streichelte kurz über sein Bild und spürte, dass er lachte. Alles war gut. Und ich wusste – es geht ihm wirklich gut.
„Nicht jedes Nein ist eine Ablehnung – manchmal ist es ein liebevolles Zwinkern des Universums.“
In meinem nächsten Beitrag öffne ich die vierte Karte – meine Gabe für Theo:
Was kann ich jetzt noch für ihn tun?
Bleib dabei, wenn sich die Verbindung weiter öffnet und unsere Seelen erneut in Berührung kommen.

Die Schlange also – nunja, das musste ich akzeptieren