Bücher, die trösten – Worte als Wegbegleiter in der Trauer

Wenn wir trauern, fehlen oft die Worte. Manchmal scheint die Welt stillzustehen, während innen alles tobt. In solchen Momenten können Bücher zu stillen Freunden werden – sie geben Sprache, wo wir sprachlos sind, und Hoffnung, wo wir uns verloren fühlen. Ich möchte heute ein paar Werke vorstellen, die mir auf meinem Weg durch Trauer, Verlust und Angst eine wertvolle Stütze waren.

Die „Poetessa“-Reihe von Doreen Kirsche und Karin Pfolz

Unter dem gemeinsamen Namen „Poetessa“ sind drei Bücher erschienen, die sich wie zarte Wegweiser lesen: Poetessa, Poetessa Fühlen und Poetessa Hoffnung.
Es sind Gedichtbände, die Themen wie Trauer, Jenseitskontakte, Depression oder Demenz (um nur ein paar Themen zu nennen) berühren – und doch immer einen hoffnungsvollen Unterton bewahren. Die Texte sind einfühlsam, tief und manchmal fast wie geflüsterte Botschaften aus einer anderen Welt.
Mich persönlich haben besonders die Gedichte zum Thema Jenseits berührt, weil sie das Unsagbare in Worte kleiden und den Schmerz mit leiser Schönheit umhüllen. Aber auch die Stücke über menschliche Herausforderungen im Alltag – etwa den Umgang mit Krankheit oder innerer Schwere – zeigen: wir sind mit unseren Gefühlen nicht allein.
Die „Poetessa“-Bücher sind für mich wie kleine Seelenanker. Sie laden dazu ein, sich treiben zu lassen, innezuhalten und zwischen den Zeilen Trost zu finden.

„Nur Mut! Das kleine Überlebensbuch“ von Dr. med. Claudia Croos-Müller

Dieses unscheinbare Büchlein hat mir in einer besonders schweren Zeit geholfen – vor allem, wenn Angstattacken mich überrollten. Es ist kein dicker Ratgeber, sondern ein praktischer Begleiter für den Alltag.
Mit einfachen Körperübungen, die manchmal fast spielerisch wirken, wird gezeigt, wie wir unserem Nervensystem in akuten Momenten Sicherheit zurückgeben können. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, in dem ich mit pochendem Herzen und zitternden Händen versuchte, eine dieser Übungen anzuwenden – und spürte, wie sich langsam Ruhe in mir ausbreitete.
Gerade in der Trauer, wenn Ängste oft überhandnehmen, sind solche kleinen Werkzeuge Gold wert. Das Buch vermittelt: wir können etwas tun, wir sind nicht ausgeliefert. Schon der Titel „Nur Mut!“ fühlt sich wie eine Hand an, die einem gereicht wird.

Mein Fazit: Trauer braucht Zeit, Raum und Ausdruck. Manchmal finden wir diesen Ausdruck in eigenen Worten, manchmal schenken uns andere Menschen ihre Worte, die dann zu einem Trostband werden.
Die Bücher von Doreen Kirsche/Karin Pfolz und Claudia Croos-Müller haben mich durch schwere Stunden getragen und mir gezeigt, dass es immer wieder Hoffnungsschimmer gibt – zart, aber beständig. Vielleicht können sie auch für dich oder jemanden, den du kennst, zu einem wertvollen Begleiter werden.

Buchempfehlungen im Überblick

  • Poetessa – Doreen Kirsche & Karin Pfolz
  • Poetessa Fühlen – Doreen Kirsche & Karin Pfolz
  • Poetessa Hoffnung – Doreen Kirsche & Karin Pfolz
  • Nur Mut! Das kleine Überlebensbuch – Dr. med. Claudia Croos-Müller

(Du findest diese Bücher z. B. über die gängigen Online-Buchhändler oder direkt beim Karina-Verlag für die Poetessa-Bände.)

Vielleicht ist jedes Buch, das uns in dunklen Zeiten wie durch Zufall in die Hände fällt, wie eine ausgestreckte Hand – wir müssen sie nur ergreifen, um den nächsten Schritt zurück ins Licht zu wagen.

Papa – ein akribischer Lebensplaner, der seinen Abschied nicht dem Zufall überließ

Manche Abschiede kündigen sich nicht leise an – sie hinterlassen ein Echo.
Manchmal sind es kleine, unscheinbare Momente, die erst im Rückblick ihre ganze Bedeutung entfalten. Als mein Papa starb, hinterließ er uns nicht nur eine Lücke, sondern auch Zeichen. Für jeden von uns – so, wie er eben war: klar, präzise, aufmerksam.

Papa war – wie schon erwähnt – Beamter durch und durch. Klar in seinen Strukturen, akribisch im Handeln und Planen. Wenn ich heute zurückblicke, wundert es mich nicht, dass er selbst seinen Abschied auf eine Art „vorbereitet“ hat.

Es war Juli 2010, Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland sollte gegen Uruguay um Platz 3 spielen. Papa hatte jede Menge Süßigkeiten gekauft – für einen gemütlichen Fußballabend. Mama lachte noch: „Oh Gott, Heinz, wer soll das alles essen?“ Aber es kam anders.

Wie immer machten Mama und Papa mittags zwischen 13 und 15 Uhr ein Nickerchen. Doch diesmal wachte Papa auf, sah Mama an und sagte leise: „Mielein, mir ist so eng ums Herz.“ Dann verstarb er – einfach so.

Mama, durch ihre Arbeit als Coronar-Trainerin mit Wiederbelebung vertraut, reagierte sofort: Fenster auf, Nachbarn zugerufen, den Rettungsdienst zu alarmieren, Herzmassage beginnen. Sie wusste jedoch auch, wann ein Kampf verloren ist. Als die Rettungskräfte endlich kamen, hatte sie bereits dafür gesorgt, dass Papa sauber und würdevoll da lag. Auch sie konnten ihn nicht zurückholen.

Doch Papa ging nicht still. Er schickte jedem seiner Kinder ein Zeichen – genau zu der Zeit, in der er starb.

Ich selbst lag mit Theo im Garten in der Sonne, als wir plötzlich ein lautes Knallen hörten. Wir suchten drinnen und draußen – nichts. Später, nach dem Anruf von Mama und dem ersten Schock, wollten wir mit dem Auto zum elterlichen Zuhause fahren, um sich von Papa zu verabschieden. Doch das elektrische Garagentor rührte sich nicht. Nur ein Knirschen. Theo entdeckte die Ursache: eine gebrochene Feder – genau das Knallen, das wir zuvor gehört hatten.

Meine Schwester war an diesem Tag auf dem Weg ans Meer. Plötzlich gingen an einer Ampel das Auto aus und alle Kontrollleuchten im Auto an – nach mehreren Startversuchen war dann alles wieder normal. Erst viel später erfuhr sie von Papas Tod. Auch diese Zeichen passten genau in den Zeitrahmen seines Abschieds.

Papas zweiter Sohn in Kanada erzählte später, dass an diesem Tag im Radio „Morning Has Broken“ lief – genau zu der Zeit, umgerechnet auf unsere Uhr, als Papa starb. Ein Lied, das sie bei den seltenen Besuchen gemeinsam gespielt hatten – er am Klavier, Peter an der Gitarre.

So war Papa: strukturiert, fürsorglich – selbst in seinem letzten Moment. Er hat uns einen stillen Alarm geschickt. Eine Botschaft: „Ich muss gehen. Passt mir auf Mielein auf.“ ❤️

Papa war immer zu Späßen aufgelegt – Möwen füttern auf seine Art

Mama – unser Fels

Manchmal begegnet uns wahre Stärke leise.
Nicht im lauten Triumph, nicht in großen Gesten – sondern in einem Leben, das getragen ist von Liebe, Verantwortung und der stillen Entschlossenheit, niemals aufzugeben.
Dieser Text ist für meine Mama. Für die Frau, die unser Zuhause zu einem sicheren Hafen machte, die uns das Leben schenkte, als sie selbst schon so vieles durchgestanden hatte – und die bis zum letzten Atemzug für uns da war. ❤️

Meine Mutter war eine Frau, geprägt von den Entbehrungen der Kriegszeit und gestählt durch Schicksalsschläge, die andere vielleicht gebrochen hätten. Sie aber wählte immer den Weg der Stärke.
Noch bevor sie an eigene Kinder dachte, kümmerte sie sich mit ganzer Hingabe um den ersten und kranken Sohn meines Vaters aus erster Ehe. Erst als sie selbst schon weit in ihren Dreißigern war, kamen meine Schwester und ich auf die Welt.

Mama war der Fels unserer Familie – klar in ihren Regeln, unbeirrbar in ihren Grundsätzen. Haus und Kindererziehung waren ihr Reich. Papa wurde nur dann hinzugezogen, wenn wir es allzu sehr übertrieben hatten und der „Patriarch“ Ordnung schaffen musste.

Unsere Kindheit war reich an Erlebnissen. Mama arbeitete abends – erst als Gymnastiklehrerin, später als Yoga- und Coronar-Sport-Trainerin. Das finanzierte unsere wunderschönen Reisen quer durch Europa. Papa, Beamter mit Freigeist, arbeitete auf einem kleinen Flugplatz, wo er Sportflieger im Tower überwachte. Er schuf ein Schutzbiotop für seltene Pflanzen, war passionierter Ornithologe – und wenn es zuhause zu laut wurde, zog er sich in den Wald zurück, bis sich die Wogen geglättet hatten.

Gemeinsam waren sie für viele ein Vorzeigeehepaar: Sie, die perfekte Gastgeberin, die liebevoll für Speis und Trank sorgte. Er, der Musiker, der am Klavier verzauberte und mit seinen Reden begeisterte. Jeder hatte seinen festen Platz in dieser Partnerschaft: Papa kümmerte sich um Technik und Papierkram, Mama um das Wohlfühlen aller.

Als Papa so plötzlich starb, fiel Mama in ein tiefes Loch. Zuerst zeigte sie keine Trauer, sondern arbeitete nur alles ab, was er so akribisch vorbereitet hatte – vom Lebenslauf für die Trauerrede bis hin zu seinen Musikwünschen. Erst nach der Beisetzung kam die Leere. Doch irgendwann kehrte ein Leuchten in ihre Augen zurück. Sie sagte, sie wolle leben – für uns, ihre Töchter. Aber keinen Tag ließ sie aus, um zu betonen, wie sehr sie Papa vermisste.

Mit Anfang 90 konnte sie schließlich nicht mehr allein leben. Nach einem Unfall in ihrer Wohnung zog sie ins Seniorenheim. Sie nahm es erstaunlich gelassen, ordnete bald auch dort ein wenig die Dinge und „erzog“ ihre Mitbewohner – nicht immer erwünscht. Aber ihren Pflegerinnen und Pflegern begegnete sie stets mit Respekt.

Dann kam 2022 Corona ins Heim. Isolation. Keine Gemeinschaftsräume, keine vertrauten Gesichter – nur Masken und Schutzanzüge. Als sie selbst eine leichte Form bekam, wurde ihr die Welt fremd. Sie blieb im Bett, verweigerte ihre Medikamente. Die Heimleitung rief besorgt an: „Ihre Mutter will sterben.“

Meine Schwester durfte trotz Besuchsverbot zu ihr. Auf die Frage, ob sie das wirklich wolle, schüttelte Mama den Kopf und sagte: „Ach was, ich hatte nur einen schlechten Moment.“ Doch als meine Schwester gehen musste, bat sie sie zu bleiben – etwas, das sie sonst nie tat.

Am nächsten Tag war sie wieder bereit, sich in ihren Sessel setzen zu lassen. Später sollte meine Schwester mit Infusionen kommen. Mama wurde bettfertig gemacht. In einem kurzen Moment allein nahm sie ihre geliebte Lego-Armbanduhr, legte sie auf ihr Herz – und schlief für immer ein.

Die Uhr blieb stehen, als auch ihr Herz aufhörte zu schlagen.
Sie hatte entschieden, dass es Zeit war, Papa über die Regenbogenbrücke zu folgen.

92 Jahre hat sie gelebt. 12 davon ohne Papa – nur für uns.
Danke, Mama. Für alles. ❤️

Ein Herz und eine Seele – meine Eltern